Branchentag Automotive 2018 zum Thema Zukunft der Mobilität geht an der TU Ilmenau erfolgreich zu Ende

Unter dem Motto „Mobilität neu denken – Wohin geht die Reise“ fand gestern mit mehr als 200 Teilnehmern der Automobilbranche, der Wissenschaft und Politik der jährliche Branchentag erstmalig an der TU Ilmenau statt. Eingeladen hatte das Branchencluster automotive thüringen.

„Wir müssen extrem schneller werden. Wir sind zwar gründlich und unterwegs als klassische Industrienation, aber wir sind zu langsam, das gilt nicht nur für die Wirtschaft, auch für die Politik“, merkte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee in seinem Statement an. „ Dies ist meine Bitte, mein Wunsch, geradezu meine Forderung. Wir müssen in Thüringen die Verschränkung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft die Forschung noch weiter verbessern, alle Zäune beseitigen.“

Unterschiedliche Akteure müssten zusammen kommen, um eine Smart City zu erzeugen. Genau hier wolle das Land ansetzen und Pilotprojekte fördern. „Wie viele kluge Ideen versanden, weil wir nicht darüber nachdenken, wie wir ihnen eine Chance geben“. Ich bin dem automotive thüringen dankbar, dass er das Mobilitätsthema in seiner ganzen Breite betrachtet und dies nicht auf das Kraftfahrzeug beschränkt“, so Wirtschafts- und Forschungsminister Wolfgang Tiefensee.

„Manche technische Lösung ist für mich beschämend“, formulierte es Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in seinem Vortrag rund um pro und contra für den Dieselmotor. Es gebe eine weiße und eine schwarze Seite, dazwischen viele Grautöne. „Wir müssen daran arbeiten, dass alle Risikogruppen kein Restrisiko mehr haben.“ Das Image des Dieselmotors sei derzeit verheerend. In seinem Vortrag beschäftige sich der Branchenexperte mit den Hintergründen der Dieseltechnologie und Feinstaubproblematik. Sein Plädoyer: „Es gibt einiges zu kritisieren. Dennoch: Der Diesel ist besser als sein Ruf. Er bleibt ein wichtiger Technologiebaustein neben den anderen Antriebssystemen der Zukunft.“

Wenn Elektromobilität gelingen soll, muss die Frage der Batterietechnik neu beantwortet werden. Zu diesem Thema der zukünftigen Batteriegenerationen sprach Professor Arno Kwade von der TU Braunschweig. „Wir erwarten neue Batterien in 2, 3, 4 Jahren.“ Die nächste Generation wird eine
Diversifizierung erleben. „Ich glaube nicht, dass wir immer die gleiche Lithium-Ionen-Batterie haben werden, sondern es werde Batterien mit unterschiedlicher Leistung, auch unter dem Umweltaspekt (nickel- und kobaltfrei) geben. Es gibt viele Materialien, alle haben Vor- und Nachteile. Es gibt nicht das Material, das alles löst. Mehrere Zellgenerationen werden koexistieren, schnelles Laden zunehmen. Ich bin sicher, dass wir demnächst Batterien haben werden, die Reichweiten über 500 km erlauben. Der Bedarf an Zellen steigt, damit auch der Bedarf an Rohstoffen, zum Beispiel Kobalt.“

„Wir reden schon viel zu lange nicht mehr über das, was wir haben und können.“ kritisierte
Bodo Ramelow, Thüringer Ministerpräsident, in seinem Plädoyer für mehr Vernetzung des Verkehrs und einem Blick auf den Schienenverkehr. „Wir wollen den schienengebundenen Verkehr wieder mehr in den Fokus nehmen, denn auch in diesem Bereich besteht ein Handlungsbedarf für mehr Elektrifizierung oder die Anwendung von Wasserstoffantrieben.“

Die Energieministerin Anja Siegesmund möchte ebenfalls verstärkt die Alternativen Antriebe fördern und etablieren. „Alle 30 km gibt es schon jetzt flächendeckend ausgebaut an 24 Stunden, 7 Tage die Woche eine Ladestation für Elektromobilität. Es gibt Anreizprogramme, Anreizsysteme für E-Mobility.“

Der Vorsitzende des automotive thüringen, Professor Michael Militzer ergänzte: „Es gibt bei allen technologischen Veränderungen neue Geschäftsmodelle, andere Ideen, die man aufgreifen muss, um den befürchteten Arbeitsabbau durch die Veränderung der Mobilität zu begegnen. Voraussetzung hierfür sei die Vernetzung des Wissens, der Wissenschaft und der Wirtschaft und der Arbeit an gemeinsamen Projekten.
„Wir werden zukünftig viele Antriebsformen parallel nutzen, je nach Anforderung an die Mobilität. Der Verbrennungsmotor aus fossilen Brennstoffen wird neben dem E-Antrieb stehen, ebenso wie die Nutzung von Wasserstoff oder Gas. Der Dieselantrieb wird bestehen bleiben, jedoch sauber. Wir müssen schneller werden bei allen unseren Entscheidungen zur Mobilität, wobei die Politik die Leitplanken vorgeben muss.“

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R. Chmelik

Ilmenau, 14.06.2018